Kleine Geschichten, die ich als Microfiction auf Twitter geschrieben habe.


Teeblätter zu lesen war ihre Spezialität. Schwarzer Tee brachte die dunkelsten Schicksale – und die besten Einschaltquoten.

Sie hatte sich geschworen, hier wegzuziehen. Jetzt schmeckte die Suppe nach Staub und das Bein pochte. Das Auto rostete vor der Tür. Endstation.

Das Wasser folgte ihr plitschplatschplotschausderDuscheindenFlurdieTreppehinunterausderTürüberdenHofdieStraßeentlangausderStadthinausüberdieHügel bis ans Meer.

Zu seiner Geburt gab es weiße Lilien, zu seinem Tod einen Frühlingsstrauß. Die Trauergäste standen erschüttert vor der Gleichung, deren andere Seite ihnen für immer verborgen bleiben sollte.

Wann immer er den Mund öffnete, bekam er eine Faust in die Fresse. Wieder und wieder, bis er es glaubte. Draußen flossen die Wörter weiter, aber drinnen blieb alles still.

Sie tanzte auf gespitzten Zehen, vor und zurück, unter der Brücke hindurch und den Abhang hinunter, auf weißen Sohlen, die weite Linien durch die graue Landschaft zogen.

Im Garten sinken die Füße so tief ins Moos, dass die Knie vor Nässe schwer werden. Ein dumpf atmendes, feuchtes Meer. Dann stößt der Zeh auf den ersten Knochen. 

Flugblätter wehen über den Asphalt wie bei ihrem Namen gerufen. Rote Bilder und grausame Schrift – es kommt ein glühend heißer Winter. 

Eines öffnete sich, als sie das Knie beugte. Ein anderes, als ihr Nacken fiel. Die Stirn am Boden badete sie in seinem Augenlicht.

Sein Pfeifen hallte von der hohen Decke wider und kullerte gegen die ramponierten Torpfosten. Schwaden aus Linoleum und vor Jahrzehnten vergossenem Schweiß nahmen ihm jede Erinnerung. Die gute alte Zeit. 

Bei ihrer Ankunft hatten die Bäume keine Blätter, ihr Vater keine Haare, ihre Mutter keine Zähne mehr. Schnee bedeckte das Land. Es würde ein langer Winter werden.

Sie fiel aus dem Himmel auf den Kirchturm. Die Spitze durchbohrte ihre Brust, mit der Ferse zerschlug sie den Friedhofszaun. Für den Rest des Tages blieb das Miniaturland geschlossen.